Nikotinsucht
Dampfer-Lexikon
Kategorie N
14.05.2025
Nikotinsucht – was ist das?
Nikotinsucht meint die Abhängigkeit von Nikotin in Verbindung mit Tabakrauch. Nikotin alleine hat wenig Sucht- oder Abhängigkeitspotential.
Beschreibung
Nikotinsucht ist eng mit dem Konsum von Tabakrauch verbunden. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Nikotin alleine ein deutlich geringeres Sucht- oder Abhängigkeitspotenzial besitzt. Die starke Abhängigkeit, die mit dem Rauchen von Tabakzigaretten einhergeht, ist vielmehr auf das komplexe Zusammenspiel von Nikotin mit den zahlreichen anderen chemischen Verbindungen im Tabakrauch zurückzuführen.
Nikotinsucht: Die duale Natur der Abhängigkeit von Physisch und Psychisch
Bei der sogenannten Nikotinsucht ist zu unterscheiden zwischen zwei Arten von Abhängigkeit:
- physische Sucht/Abhängigkeit
- psychische Sucht/Abhängigkeit
Nikotinsucht als physische Sucht/Abhängigkeit: Diese Komponente äußert sich in körperlichen Entzugserscheinungen, wenn der Nikotinspiegel im Körper sinkt. Symptome können beispielsweise Reizbarkeit, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten und ein starkes Verlangen nach einer Zigarette sein. Hierzu gibt es neuere Untersuchungen, die das physische Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch mit dem von Alkohol vergleichen.
Nikotinsucht als psychische Sucht/Abhängigkeit: Diese Ebene der Abhängigkeit ist oft tief verwurzelt in Gewohnheiten, sozialen Kontexten und emotionalen Zuständen. Rauchen kann mit bestimmten Situationen (z. B. nach dem Essen, in Gesellschaft), Stimmungen (z. B. Stress, Langeweile) oder Ritualen verknüpft sein. Die psychische Abhängigkeit kann auch dann noch stark sein, wenn die körperlichen Entzugserscheinungen bereits abgeklungen sind. Das psychische Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch wird mit dem von Kokain zugeteilt, was die starke konditionierte und belohnende Wirkung unterstreicht.
Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Nikotin alleine (also pures Nikotin) wenig Sucht- bzw. Abhängigkeitspotential hat. In enger Verbindung mit dem Tabakrauch von Tabakzigaretten hat Nikotin nachweislich das Suchtpotential zwischen Alkohol und Kokain(11).
Die Neubewertung des Fagerström-Tests
Im Zusammenhang mit der Nikotinsucht hat Prof. Dr. Fagerström, nach dem der sogenannte Fagerström-Test benannt ist, in einem Artikel (aus 2010) bekannt gegeben, den Test mit dem Namen Fagerströmtest für Nicotinabhängigkeit umzuändern in Fagerströmtest für Zigarettenabhängigkeit.
Prof. Dr. Fagerström schrieb zum Thema Nikotinsucht dazu, dass Nicotin wahrscheinlich nicht als einzige Substanz an der Sucht beteiligt ist, obwohl es die wichtigste Komponente sei. In Anbetracht der neueren Forschungsergebnisse über den Zigarettenrauch schien es an der Zeit, den Test umzubenennen.(1)
Der Fagerström-Test besteht aus sechs Fragen, die Antworten lassen eine Kategorisierung der Zigarettenabhängigkeit statt der Nikotinabhängigkeit, ergo Nikotinsucht zu. Zwischen folgenden Abhängigkeitsstufen wird unterschieden:
- geringe Abhängigkeit (0 bis 2 Punkte)
- mittlere Abhängigkeit (3 bis 5 Punkte)
- starke Abhängigkeit (6 bis 7 Punkte)
- sehr starke Abhängigkeit (8 bis 10 Punkte)
Die Neubewertung von Professor Dr. Fagerström und der Umbenennung des „Fagerström-Tests für Nicotinabhängigkeit“ in „Fagerström-Test für Zigarettenabhängigkeit“ unterstreicht die Erkenntnis, dass der Test primär die Abhängigkeit von Zigaretten und dem gesamten Rauchverhalten erfasst und weniger die isolierte Abhängigkeit von Nikotin. Die Kategorisierung der Abhängigkeitsstufen (gering, mittel, stark, sehr stark) basiert somit auf dem Rauchverhalten und nicht allein auf dem Nikotinkonsum.
Wirkung und Abhängigkeitspotenzial zwischen Nikotin und Tabakrauch
Tabakrauch, in enger Verbindung mit Nikotin und anderen Stoffen, stellt in seiner Wirkung eine rasch süchtig machende Substanz dar.(2)
Durch die Verbindungen, die beim Verbrennen bzw. Glimmen entstehen, besitzt Tabakrauch mit Nikotin stimulierende Wirkungen wie Kokain oder Amphetamin. Die Substanz stößt im Gehirn die gesamte Breite der Neuromodulatoren an.(3)
Neuromodulatoren sind chemische Substanzen, welche die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen.
Durch Nikotin werden möglicherweise zeitweilig Hirnfunktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen sogar verbessert. Wird jedoch Nikotin in Verbindung mit Tabakrauch analysiert, kommen Untersuchungen zu dem Schluss, dass Gedächtnisleistungen durch Tabakmissbrauch nachlassen.(4)
Studien über menschlichen Drogenkonsum wie mit Nikotinsucht zeigen auf, dass pures Nikotin nur wenig Suchtpotenzial hat. In Verbindung mit dem Rauch von Tabakzigaretten jedoch ein sehr hohes Suchtpotenzial aufweist. Auch Tierstudien zeigen dies auf.(5, 6, 7)
Nikotin ist mitverantwortlich für die Abhängigkeit von Tabakerzeugnissen und hat in Verbindung mit anderen Stoffen im Tabakrauch ein hohes Abhängigkeitspotenzial und kann sehr schnell zu einem abhängigen Verhalten führen.(8 , 9, 10)
Ein veröffentlichtes Papier von D. Nutt et al., aus dem Jahr 2007, zeigt auf, dass das Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch zwischen Alkohol und Kokain einzuordnen ist.(11)
Genauer definiert, liegt
- das physische Abhängigkeitspotential bei dem von Alkohol
- das psychische Abhängigkeitspotenzial bei dem von Kokain
Definition Nikotinsucht: Ein komplexes Zusammenspiel
Die sogenannte Nikotinsucht ist mehr als nur die Sucht nach Nikotin alleine. Es ist ein komplexes Phänomen, bei dem Nikotin in Verbindung mit Tabakrauch eine Schlüsselrolle spielt. Die Wechselwirkungen mit anderen Substanzen im Tabakrauch erhöhen das Suchtpotenzial von Nikotin signifikant. Die Unterscheidung zwischen physischer und psychischer Abhängigkeit sowie die Neubewertung des Fagerström-Tests verdeutlichen, dass es sich bei der Tabakabhängigkeit um mehr als nur eine reine „Nikotinsucht“ im isolierten Sinne handelt.
Eine starke psychische Komponente, vergleichbar mit der von Kokain, und die körperlichen Entzugserscheinungen, ähnlich denen bei Alkohol, machen die Entwöhnung von Tabak sehr herausfordernd. Dies belegen zum einen die Erfahrungen von Millionen Raucher:innen weltweit und die Faktenlage einer erschreckend hohen Rückfallwahrscheinlichkeit nach einem Rauchstopp.
Quellen:
- Determinants of Tobacco Use and Renaming the FTND to the Fagerström Test for Cigarette Dependence, oxfordjournals.org
- https://de.wikipedia.org/wiki/Tabakabh%C3%A4ngigkeit#Wirkung_von_Tabakrauch
- Lutz Schmidt auf der 2. Nikotin-Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung in Erfurt.
- Tom Heffernan und weitere: Self-rated everyday and prospective memory abilities of cigarette smokers and non-smokers: a web-based study. In: Drug and Alcohol Dependence. 3. Auflage. Band 78, 1. Juni 2005, S. 235 ff.
- James D. Belluzzi et al.: Acetaldehyde Enhances Acquisition of Nicotine Self-Administration in Adolescent Rats.
- J. E. Rose, W. A. Corrigall: Nicotine self-administration in animals and humans: similarities and differences. In: Psychopharmacology, Band 130, Nummer 1, März 1997, S. 28–40, ISSN 0033-3158. PMID 9089846. (Review).
- SCENIHR: Fragen zu Tabakzusatzstoffen – Ist die Entwicklung von Nicotinsucht dosisabhängig? (2010),
- Determinants of Tobacco Use and Renaming the FTND to the Fagerström Test for Cigarette Dependence,
- James D. Belluzzi et al.: Monoamine Oxidase Inhibitors Allow Locomotor and Rewarding Responses to Nicotine. (14. Dezember 2005)
- How Tobacco Smoke Causes Disease: The Biology and Behavioral Basis for Smoking-Attributable Disease: A Report of the Surgeon General, Nicotine Addiction: Past and Present.(2010)
- Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse. 24. März 2007.

Hinweis: Folgende Artikel können Gesundheitsthemen behandeln. Diese dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keine Arztdiagnosen.